„Wahnsinn - das ist wirklich unglaublich, was im Fußball alles passiert“ – „Es muss ein echter Austausch sein - in beide Richtungen“Ludger Kineke bildet mit Dr. Leonhardt zurzeit den Vorstand des Wuppertaler SV. Neunzehn54 hat mit ihm über den neuen Verwaltungsrat, die Planung für die neue Saison und seine Aufgaben gesprochen.
Hallo Ludger, wie hast du das Spiel in Oberhausen erlebt?
Ich konnte leider selbst nicht dabei sein, habe mir aber sagen lassen, dass sich unsere Mannschaft verbessert gezeigt und gut dagegengehalten hat. Es ist natürlich kaum zu fassen, dass wir in der 97. Minute den Ausgleich bekommen und dann am Ende trotzdem fast noch das 3:2 machen. Da hätte, glaube ich, vorher niemand mit gerechnet, zumal Oberhausen gewinnen musste. Wahnsinn - das ist wirklich unglaublich, was im Fußball alles passiert.
Seit der Jahreshauptversammlung haben wir einen neuen Verwaltungsrat. Wie bewertest du das?
Das zu bewerten ist nicht meine Aufgabe. Ich begrüße es aber, dass wir jetzt Verwaltungsräte haben, die sich intensiv um die Themen kümmern und aktiv mitwirken wollen. Natürlich ist es schade, dass langjährige Mitglieder ausgeschieden sind. Aber es geht nicht um Personen, sondern darum, wie der Verein bestmöglich arbeiten kann. In der letzten Woche war die erste Verwaltungsratssitzung mit dem gesamten Vorstand. Zuvor war ich aus Urlaubsgründen verhindert. Ich glaube, dass der Verwaltungsrat in der jetzigen Zusammensetzung gut aufgestellt ist und sowohl intern als auch mit uns als Vorstand gut zusammenarbeitet.
Du bist bei der CDU, Andreas Mucke bei der SPD und Marc Schulz bei den Grünen. Hilft das dem WSV im Kontakt zur Stadt?
Wir kennen uns aus verschiedenen Kontexten sehr gut, die natürlich überwiegend politisch geprägt sind. Das ist auf keinen Fall ein Nachteil, solange man konstruktiv zusammenarbeitet und das nicht zum Anlass nimmt, gegeneinander zu arbeiten. Entscheidend ist, dass wir konstruktiv zusammenarbeiten - und das sehe ich aktuell.
Im Mai finden im Vereinsumfeld Workshops zu den Themen Marketing, Struktur, Stadion und Satzung statt.
Das ist von mir angeregt worden. Die Idee ist aus Gesprächen im Vorfeld der Hauptversammlung entstanden. Es gab unterschiedliche Anträge, die in Richtung von mehr Partizipation gingen. Ich habe dann mit einzelnen Antragstellern gesprochen, teilweise auch sehr intensiv per Videokonferenz. Und im Rahmen dieser Gespräche ist dann der Gedanke entstanden, solche Workshops zu machen. Ziel ist es, Mitglieder stärker einzubinden - durch transparente Informationen und die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen. Wir sind jetzt in der Umsetzung.
Sollen die Workshops dauerhaft stattfinden?
Ja, das ist bewusst so angelegt. Wir haben zunächst Themen abgefragt, und das größte Interesse besteht am Stadion: Entwicklung, Nutzung und Perspektive. Dazu wird es den ersten Workshop geben; ich bin auch dabei. Mir ist wichtig, dass daraus etwas entsteht und dass der Kontakt zu den Vereinsmitgliedern stärker und belastbarer wird - in beide Richtungen. Das muss wirklich ein Austausch sein, bei dem alle voneinander lernen. Das hat viel Potenzial, darauf freue ich mich sehr.
Wie läuft die Vorbereitung auf die neue Saison?
Wir haben mehrere Ebenen. Klar ist: Wir bleiben im Stadion, das ist mit der Stadt abgestimmt. Beim Sicherheitskonzept sehen wir Anpassungsbedarf, da aktuell weniger Zuschauer kommen als erwartet. Das müsste eigentlich auch geringere Kosten bedeuten. Dann gibt es die sportliche und die finanzielle Seite. Sportlich arbeitet Stephan Küsters an der Planung. Er schaut sich auch verstärkt die U17 und U19 an, um entwicklungsfähige Spieler in den Kader der ersten Mannschaft zu integrieren. Das scheint mir eine gute Idee zu sein. Gleichzeitig ist unklar, ob wir in der Oberliga oder Regionalliga spielen, was unterschiedliche Anforderungen mit sich bringt. Ziel wäre im Falle eines Abstiegs ein schneller Wiederaufstieg, auch mit Blick auf die mögliche Regionalliga-Reform. Bei der Trainerfrage gehe ich davon aus, dass Mike Wunderlich bleiben möchte und wir ihn auch halten wollen - auch wegen der guten Zusammenarbeit mit Stephan Küsters. Finanziell sind wir gerade dabei, den Haushalt aufzustellen. Es fehlen noch Zusagen von einigen größeren Sponsoren, aber es gibt auch schon positive Entwicklungen. Insgesamt ist das ein laufender Prozess.
Würde der Etat in der Oberliga deutlich geringer ausfallen?
Nein, davon gehe ich nicht aus. Wenn die meisten Sponsoren bleiben, wäre das auch nicht sinnvoll. Ziel ist eher, das Budget stabil zu halten oder auszubauen.
Sollte man wieder stärker auf regionale Spieler setzen?
Das denke ich schon. Gerade in unteren Ligen ist Identifikation wichtig. Ob man sich das immer aussuchen kann, ist eine andere Frage, aber grundsätzlich halte ich das für sinnvoll.
Gibt es sonst noch wichtige Themen?
Wir arbeiten die Folgen der Sachbeschädigungen bei Auswärtsspielen auf und stehen dazu im Austausch mit Fangruppen und Fanrat. Der Zusammenhalt im Verein ist sehr wichtig. Ein weiteres Thema ist die Autarkie der Abteilungen. Ziel ist es, ihnen mehr Eigenverantwortung zu geben, zum Beispiel durch eigene Budgets und Konten. Das soll Motivation und Identifikation stärken. Aktuell klären wir noch die organisatorischen Details.
Vielen Dank für das Gespräch, Ludger!
Erschienen im Stadionblatt neunzehn54 Ausgabe 16
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