Am heutigen Abend fand das erste Fantreffen des Wuppertaler SV in diesem Jahr im Presseraum des Stadion am Zoo an der Hubertusallee statt. Aufgeteilt war der Fanabend in zwei Teile. Zunächst gab es eine Fragerunde, moderiert von Heimo Schitter, mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden Dr. Jürgen Hoß, Vorstand Ludger Kineke und Cheftrainer Mike Wunderlich. Danach fanden offene Gespräche mit allen Beteiligten statt, wobei Trainer Wunderlich noch einen Termin hatte und nach der Fragerunde das Stadion verließ. Begonnen wurde mit einer Vorstellung aller drei Protagonisten.
Diskussionsbedarf
Dr. Jürgen Hoß ergriff als Verwaltungsratsvorsitzender die ersten Worte: „Wir haben denke ich einiges zu diskutieren. Wir haben eine riesige Umstellung von einem Mäzenverein zu einem Verein, der sich auf eigene Beine stellen muss. Wir müssen alle an einem Strang ziehen und sind nicht auf Rosen gebettet, Mein Wunsch ist es ein vernünftiges Verhältnis auf die Beine zu stellen. Im Moment vermisse ich das Motto Rot-Blaue Einheit etwas.“
Ludgker Kineke war es zu Beginn egal, wie viele da sind, Hauptsache es gäbe Interesse am Verein. „Ich lerne noch, im Fußballgeschäft bin ich neu“, so Kineke, der sich mehr mit Partei- und politischen Fragen auskennt.
Das Sportliche – Keine Abgänge mehr
Trainer Mike Wunderlich legte den Fokus auf das Sportliche. „Mir ist wichtig, was euch interessiert. Ich habe in Kaiserslautern schon eine ähnliche Situation erlebt, deswegen ist es mir wichtig die Leute abzuholen.“ Die erste Frage ging direkt an den Trainer, da es mittlerweile einen 30-Mann Kader gebe: „Jeder hat im Kader eine Chance. Ich bin da offen und ehrlich. Wir haben vom ersten Tag an Spielern nahe gelegt zu gehen, dass es schwer wird, da eiere ich nicht rum. Aber wenn sie den Verein nicht verlassen wollen, dann ist es meine Aufgabe jeden fair zu behandeln. Wir arbeiten mit dem was da ist.“ Geht denn noch jemand? „Die Transferphase ist zu Ende. Stand jetzt verlässt uns keiner.“ Warum musste Daiki Kamo gehen? „Das ist mir schwer gefallen. Er hatte sich sehr gut im Trainingslager präsentiert. In der aktuellen Situation möchte ich ihn nicht abgeben. Aber man muss ehrlich sein, dass wir noch die anderen drei Nicht-EU-Spieler haben. Er wäre nicht im Kader gewesen, ausschließlich aufgrund der Regel. Das hat nichts mit der Qualität zu tun.“ Er ergänzte noch: „Mit Santo haben wir noch einen richtigen Stürmer bekommen.“
Ebenfalls gestellt wurde die Frage nach dem Niveau des Kaders. Mike Wunderlich: „Ich habe mir gesagt, dass ich das Traineramt aufgrund der Chance mache. Die Mannschaft hat sich oft um viele Punkte beraubt, weil sie nicht erwachsenen Fußball gespielt hat. Es geht um Klarheit und Ergebnisse. Da muss man auch mal einen Ball über die Tribüne wichsen.“ Im Trainingslager wurde viel daran gearbeitet, kein Tor zu bekommen. „Ich erwarte Klarheit, auch falls man mal nicht die Qualität hat. Mit unserer Mannschaft werden wir nicht immer in der Lage sein drei, vier Tore zu erzielen. Es geht darum, wenig Fehler zu machen. Erfolg durch Sicherheit.“ Warum hatte es dann gegen Velbert nicht geklappt? „Beim Velbert-Spiel war auch ich erschrocken“, so Wunderlich. „Die ersten 10 Minuten haben mir absolut nicht gefallen. Wir wollten ab der ersten Sekunde ein Feuerwerk abfeuern, um auch das Publikum wieder mitzunehmen. Dann hatten wir 30 ordentliche Minuten. Objektiv betrachtet hätten wir ein, zwei, drei Tore machen können. Ich möchte aber nichts schön reden, denn nach dem Gegentor war ich wirklich erschrocken. Aber wenn wir ein Tor machen, geht das Spiel in unsere Richtung. Das wäre ein Brustlöser gewesen.“ Zu den Neuzugängen: „Noah Heim ist nach seiner eigener Aussage eine klare 9. Santo hat extrem gefehlt und er wird uns extrem nach vorne bringen. Cenk Durgun ist ein wichtiger erfahrener Spieler.“
Dabei hat der Trainer eine eigene Spielidee: „Mutig und leidenschaftlich nach vorne spielen. Die Intensität steht über allem. Ich bin noch jung, aber mit der neuen Fußballsprache tue ich mich schwer. Die Basics braucht man immer. Diese Pyramide hängt vom ersten Tag an in unserer Kabine. Doch auch ich muss anpassungsfähig sein. Es geht darum Punkte zu holen.“ Und das Spielsystem? „Sonntag haben wir mit einer Fünferkette gespielt, ansonsten switchen wir je nach Gegner von einer Vierer- zur Dreierkette.“ Trotz der Niederlage im ersten Heimspiel diesen Jahres „haben die Fans uns 90 Minuten lang unterstützt. Und nochmal: Jeder wird alles dafür tun, am Ende drin zu bleiben. Selbst wenn wir nicht gut spielen, am Ende zählt es nur über dem Strich zu stehen und davon bin ich absolut überzeugt. Stojanovic, Durgun und Santo waren die fehlenden Puzzleteile. Die beiden Stürmer hätten wir schon vorher gerne gehabt.“
Geld und Co.
Und das Budget? „Das wird weiter eingehalten. Es sind zwei Ausleihen dabei, die belasten den Etat nicht wie ein normaler Spieler. Dazu sind welche ausgeschieden. Wir haben zudem Hilfe von dritter Seite bekommen. Dadurch haben wir fast Budgetneutralität.“ Gibt es denn im Fall der Fälle einen Plan B? „Wir wissen jetzt nicht was greeny+ sagt. Wir haben aber den Prozess gerade angefangen. Doch ich glaube wir halten die Klasse!“, so Vorstandsmitglied Ludger Kineke.
Wer ist denn für was zuständig? „Dr. Jochen Leonhardt kümmert sich um die Finanzen. Ich beschäftige mich mit rechtlichen Fragen, da ich auch Jurist bin. Dazu gehört jetzt auch Marketing und Sponsoring“, so Kineke. „Ich kümmere mich zum Beispiel um die städtischen Töchter, andere kümmern sich dann um Unternehmen, die sie kennen. Das wird alles in einem System hinterlegt.“ Dr. Jürgen Hoß ergänzte: „Wir müssen auf Ehrenamtler setzen. Mich haben Leute angesprochen, dass sie es machen würden, auch als Sportvorstand. Und dann kam die Frage nach dem Gehalt.“
Hoß weiter: „Wir sind von ungefähr 2,2 Millionen auf 900.000 Euro zurückgefahren. Im Gehaltsgefüge der Mannschaften sind wir ganz, ganz unten. Die meisten Spieler sind für uns nicht erschwinglich. Aber wir haben uns schuldenfrei aus der Altperiode entwickelt und das werden wir fortsetzen. Wir werden keine Verbindlichkeiten eingehen.“ Kineke ergänzte: „Das Sponsoring ist sehr leistungsbezogen. Wir haben hier aber enormes Potential.“
Die Zusammenarbeit zwischen dem Verwaltungsrat und Vorstand würde gut funktionieren, so Kineke: „Wir sind ein gutes Team. Es ist eine sehr gute Zusammenarbeit.“ Wird es denn einen neuen Sportvorstand geben? „Namen werden genannt, aber es gibt keine Gespräche.“ Hoß dazu: „Ich sehe es Momentan nicht dramatisch, dass man da unbedingt einen haben müsste. Viele Regionalligisten leisten sich nicht einen Sportvorstand und Sportdirektor, das ist meistens in Personalunion.“ Braucht man denn einen Sportlichen Leiter als Vollzeitstelle? Kineke: „Nein.“
Schwierig
Die Verwaltungsratswahl, die auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung noch ansteht, sei laut Kineke „ein wichtiger Punkt. Es ist sehr wichtig erneut einen stabilen Verwaltungsrat ohne Streitereien zu bekommen.“ Aktuell gehören dem VWR beim Wuppertaler Sportverein an: Dr. Jürgen Hoß, Harald Lucas (war heute ebenfalls anwesend), Marcus Lindemann, Silvio Pagano, Heimo Schitter, Ralf Dasberg, Christian Scheib, Dirk Polick und Dennis Nobik. „Der Vorstand sollte mittelfristig aufgestockt werden“, sagte Hoß. „Wenn es einer ehrenamtlich machen möchte: Gerne!“ Auch Ludger Kineke gab an, dass er über Entlastung neben seinen anderen Aufgaben froh wäre. „Es ist nicht ganz einfach. Ich mache die ganze Arbeit von Marvin Klotzkowsky und Thomas Richter mit. Wir brauchen auf jeden Fall die sportliche Kompetenz. Jeder, der das können könnte, sollte sich melden. Ich persönlich komme nicht aus dem Fußball, deswegen kenne ich die Leute nicht. Wir können im Augenblick nicht richtig planen. In der jetzigen Situation fühle ich mich nicht in der Lage solche Planungen und konkrete Gespräche zu führen. Auch, wenn das nicht schön ist und auch wenn jemand sagt, dann würdet ihr in die Kreisliga gehören. Wir müssen jetzt zusammenstehen und gucken, dass wir es hinbekommen. Das ist unsere Aufgabe und das gilt für alle hier. Nicht nur für mich als Ehrenamtler, der sich den ganzen Tag den Allerwertesten aufreißt. Es ist eine ganz schwierige Situation.“






