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Thema: "Aurel und Patric Panait: Vater und Sohn in Rot-Blau" [ Seite 1 ]
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Toggle   Kein neuer Beitrag Tobi , 08.11.2019, 21:33 Beitrag #1   
Beiträge: 57144
Registrierung: 07.01.2004
Wohnort: Wuppertal
 
 
Vater-und-Sohn-Geschichten sind so alt wie der Fußball selbst. Zahlreiche Fans berichten mit leuchtenden Augen davon, wie sie das erste Mal von ihrem Vater mit ins Stadion genommen wurden. Und manchmal werden sowohl Vater als auch Sohn berühmte Fußballspieler: Johan und Jordi Cruyff, Souleymane und Leroy Sané, Cesare und Paolo Maldini – es ließe sich eine lange Liste erstellen. In der Historie des WSV schreiben aktuell Aurel und Patric Panait das neueste Kapitel einer solchen Vater-und-Sohn-Geschichte.

Es ist der 1. November 1995. Steaua Bukarest spielt in der Champions League gegen den amtierenden deutschen Meister, Borussia Dortmund. Beim von Ottmar Hitzfeld trainierten BVB stehen große Spieler auf dem Platz wie Júlio César, Matthias Sammer, Jürgen Kohler, Steffen Freund, Michael Zorc oder Andreas Möller. Die Dortmunder Mannschaft wird ins Champions League - Viertelfinale einziehen und am Ende der Saison ihren Meistertitel in der Bundesliga verteidigen. Mehr noch: Ein Jahr später wird sie sich mit dem Triumph im Champions League - Finale 1997 die Krone in Europa aufsetzen. Doch an jenem Mittwochabend im November 1995 reicht es für den BVB bei Steaua Bukarest nur für ein torloses 0:0. Auf Seiten der Rumänen räumt ein Spieler in so beeindruckender Art und Weise im Mittelfeld ab, dass er von den Dortmunder Verantwortlichen im Sommer 1996 zum Probetraining eingeladen wird. Sein Name: Aurel Silviu Panait. Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass dieser Spieler eines Tages die Mehrheit seiner Pflichtspiele in Deutschland im Trikot des WSV bestreiten wird...

Am 11. August 2019 betritt Aurel Panait mal wieder das Stadion am Zoo. Doch im Alter von mittlerweile 50 Jahren naturgemäß nicht als Spieler auf dem Rasen. Er ist mit weiteren Familienmitgliedern von seinem Wohnort Erkenschwick angereist, um als Zuschauer auf der Haupttribüne seinem Sohn die Daumen zu drücken. Patric-Dominic Panait ist 18 Jahre alt und zur Saison 2019/20 vom FSV Duisburg in die U19 des WSV gewechselt. Sein Vater unterstützt ihn bestmöglich und ist bei allen Trainingseinheiten und Spielen dabei. An jenem Sonntagmorgen im August 2019 spielt die U19 des WSV am 1. Spieltag der A-Junioren Bundesliga West gegen den amtierenden Meister, Borussia Dortmund. Der WSV zahlt Lehrgeld und verliert mit 2:9. Patric Panait wird kurz vor dem Anpfiff von Trainer Pascal Bieler aus dem Kader gestrichen. Die Enttäuschung ist groß beim Spieler und den angereisten Familienmitgliedern auf der Tribüne...

Mehrere Titel und ein geplatzter Traum

„Hier hat sich ja einiges verändert“, staunt Aurel Panait, als er für das Treffen mit neunzehn54 die „Schimmis-Lounge“ im Stadion am Zoo betritt. Der 50-jährige erweist sich im Gespräch als freundlicher, bodenständiger, humorvoller und offener Mensch. Er strahlt Optimismus und Energie aus. Panait blickt auf eine Fußballerkarriere mit Höhen und Tiefen zurück. Eine Karriere mit vielen interessanten Momenten, auch wenn sie am Ende vielleicht etwas unvollendet geblieben ist. Aber Panait ist mit sich im Reinen: „Ich bin kein Millionär, denn früher gab es nicht so viel Geld wie heute. Aber ich bin gesund, habe meine Frau und zwei Kinder. Ich lebe und arbeite wieder in Deutschland.“

Mit 18 Jahren wurde Aurel Panait Fußballprofi bei Petrolul Ploie?ti, dem Verein seiner Geburtsstadt. Von dort aus schaffte er den Sprung zu Rumäniens Serientitelträger Steaua Bukarest, mit dem er in fünf Jahren drei Meisterschaften, einen Pokal- und zwei Supercupsiege feierte. In drei Champions League - Saisons bestritt er 12 Partien, gegen Juventus Turin hieß sein direkter Gegenspieler Alessandro Del Piero. Dann kam der turbulente Sommer 1996. Borussia Dortmund zeigte Interesse und Panait wollte unbedingt zum deutschen Meister wechseln. Der nunmehr fast 28-jährige absolvierte ein einmonatiges Probetraining beim BVB und streifte im Fuji-Cup-Halbfinale, dem damaligen Saison-Vorbereitungsturnier, sogar schon das schwarz-gelbe Trikot mit der Nummer 37 über. Panait räumte in der Defensive ab, kämpfte, grätschte, ordnete das Spiel und trieb es an. Am Ende konnte er die 1:3-Niederlage gegen den FC Schalke 04 nicht verhindern. Noch heute zeugt ein Youtube-Video von dem auffälligen Auftritt des Steaua-Spielers, den Dortmund anschließend verpflichten wollte. Doch der Wechsel scheiterte an der aufgerufenen Ablösesumme in Höhe von 1 Millionen DM. Der Traum vom Wechsel nach Westeuropa war vorerst geplatzt...

„Man muss auf dem Platz die Liebe zum Fußball frei lassen“

Doch im Oktober 1996 sollte es über Umwege dann doch klappen: Panait ging als Amateurspieler für eine Entschädigung von 50.000 DM in die 2. Liga Österreichs zum VfB Mödling. Während der dortigen drei Monate knüpfte sein Manager die entscheidenden Kontakte nach Wuppertal, Panait überzeugte Trainer Wolfgang Jerat im ersten Probetraining auf Anhieb und wechselte am 01.01.1997 zum WSV. Der Defensivspezialist räumt heute ein, vorher weder die Stadt Wuppertal, noch den WSV gekannt zu haben, wartet aber mit einer erfrischenden und auf ihre Art simplen Erklärung auf: „Ich liebe Fußball. Egal für welche Mannschaft ich spielte, ich habe immer bis zum Ende 100 Prozent gegeben. Bin ich gewechselt, habe ich für diese Mannschaft auch 100 Prozent gegeben, nie weniger. Man muss immer mit Herz Fußball spielen und auf dem Platz die Liebe zum Fußball frei lassen.“ Beim WSV schrieb man seinerzeit das dritte Jahr nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga. Wie auch in den beiden Vorsaisons war der Wiederaufstieg ein Thema. Offenbar hatte man Gefallen an rumänischen Spielern gefunden und verpflichtete nach und nach gleich mehrere von ihnen, was mit einer anderen Mentalität einherging: „In Deutschland zählt Kraft und Power, wir Rumänen haben mit viel Technik gespielt“, beschreibt es Panait, der in der Rückrunde der drittklassigen Regionalliga West/Südwest als aggressiver, beidfüßiger Spieler, der im Mittelfeld und der Verteidigung jede Position bekleiden konnte, zu überzeugen wusste. „Ich habe hier eine gute Familie gefunden mit Spielern wie Mademann, Menzel, Broos, N'Diaye und Zilles“, schwärmt Panait noch heute. Warum es trotz guter Spieler, gutem Trainer und guter Stimmung in der Mannschaft am Ende der Saison mit Platz 6 nicht für den Aufstieg in die 2. Bundesliga gereicht hat, kann er nicht sagen. „Der Fußball ist manchmal verrückt. Und vielleicht waren wir am Ende etwas müde“, wirkt er an dieser Stelle etwas ratlos.

„Wuppertal ist wie mein Haus“

Mit Beginn der neuen Spielzeit verließen einige Spieler den WSV, andere kamen und mit Karl-Heinz Höfer rückte der Co- zum Cheftrainer auf. Während der WSV in der Hinrunde 1997/98 ins Mittelfeld abrutschte, empfahl sich Aurel Panait für höhere Aufgaben. Zweitligist FSV Mainz 05 klopfte an und so kam es am 01.01.1998 zum Wechsel in einen Kader, der gespickt war mit klangvollen Namen wie Dimo Wache, Jürgen Klopp, Sandro Schwarz, Torsten Lieberknecht, Jürgen Kramny oder Sven Demandt. Panait muss noch heute durchpusten, wenn er an das damalige Niveau denkt: „Das war schon wie 1. Liga!“ Unter Trainer Dietmar Constantini war Panait zunächst Stammspieler, doch nach dem Trainerwechsel zu Wolfgang Frank wurde er nicht mehr berücksichtigt, so dass der nunmehr knapp 30-jährige im Sommer 1998 zum WSV zurückkehrte. „Man hatte mir schon vorher gesagt: Wenn du ein Problem hast, komm nach Wuppertal zurück. Wuppertal ist wie mein Haus“, bekräftigt Panait. Und so kam es, dass der Mann, der auf seinen Autogrammkarten gerne den Spitznamen „Joe“ vermerkte und in der Wuppertaler Fanszene wahlweise auch „Indianer“ gerufen wurde, in der Spielzeit 1998/99 seine erste vollständige Saison in rot-blau absolvierte. Der WSV wurde Achter und an Panaits Zwangspause aufgrund einer Meniskusverletzung gegen Ende der Saison schloss sich schließlich sein endgültiger Abschied aus Wuppertal an. „Joe“ spielte noch zwei Jahre in Deutschland, ein Jahr beim SV Wehen in der drittklassigen Regionalliga Süd und ein Jahr beim BFC Dynamo Berlin in der viertklassigen NOFV-Oberliga Nord. Warum diese Wechsel, wenn doch Wuppertal wie sein „Haus“ gewesen ist? Panait sucht keine Ausflüchte: „Mein Manager wollte, dass ich mehr Geld verdiene. In Wehen habe ich mehr verdient als in Wuppertal und in Berlin mehr als in Wehen.“

Talent, harte Arbeit und gute Trainer

Mit der Geburt seines (zweiten) Sohnes Patric im Jahr 2001 in Berlin begann für Aurel Panait ein neuer Lebensabschnitt. Er beendete seine Karriere als aktiver Fußballer und kümmerte sich fortan um die Familie, mit der er zunächst zurück nach Rumänien ging. Schnell lag seine Konzentration dabei auf der Förderung seiner fußballbegeisterten Söhne. Eine Förderung, die Aurel Panait seinerzeit von seinen Eltern nicht erfahren hat. Dass ihr Sohn zu jeder Gelegenheit nur Fußball spielen wollte, nahmen sie zur Kenntnis, mehr nicht. „Manchmal haben meine Eltern mich gefragt, ob ich in der Schule war. Ich habe 'ja' gesagt, war aber Fußballspielen“, lacht Panait und betont: „Ich mache alles für meine Kinder.“ Sein Sohn Sebastian würde härter arbeiten, habe aber weniger Talent, während Patric über eine außergewöhnliche Begabung verfüge: „Patric hatte schon in der Jugend einen so harten Schuss, dass die Trainer ständig den Spielerpass zeigen mussten, weil die Gegner dachten, er ist schon älter.“ 2012 zog die Familie zurück nach Deutschland und Patric spielte einen Monat in der Dortmunder Fußballschule von Aurel Panaits Freund Marcel Raducanu. Dieser hatte dann auch die Idee, Patric offensiver einzusetzen als dies vorher der Fall gewesen ist. Panait möchte seinem Sohn nun vermitteln, dass zusätzlich zu seinem Talent harte Arbeit erforderlich ist, um weiterzukommen: „Wenn du Fußballer werden und vielleicht mal die Familie davon ernähren möchtest, musst du dich jederzeit zu 100 Prozent konzentrieren. Du musst immer positiv sein und nach vorne gucken. Du darfst nicht darüber nachdenken, es nicht zu schaffen“, bringt er seine Einstellung auf den Punkt. Und der Ex-Profi ist davon überzeugt, dass im Jugendbereich der Trainer der entscheidende Faktor ist: „Ist es ein guter Trainer, lernen die Kinder. Ist es ein schlechter Trainer, muss ich als Vater das 'Plus' machen.“ Aber Aurel Panait hat keinen Zweifel daran, dass sich Patric in der U19 des WSV bei Trainer Pascal Bieler und dessen Team in den besten Händen befindet, um den nächsten Schritt zu machen.

„Der Fußball ist manchmal verrückt“, hat Aurel Panait im Gespräch mit neunzehn54 gesagt. Man darf also gespannt sein, welch verrückte Entwicklung diese Vater-und-Sohn-Geschichte in Rot-Blau noch nehmen wird...

Bericht aus der Stadionzeitung neunzehn54


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